Glossar

Eine Sammlung von Basisbegriffen rund um das Thema IT-Consulting und Business-Value Solutions.

A

Amortisationsdauer

Zeitraum, der notwendig ist, bis der Nettobarwert der Investition positiv wird, bzw. die Investitionssumme der Summe der abgezinsten Rückflüsse entspricht. Einfacher: Der Zeitpunkt zu dem die Rückflüsse aus einer Investition die abgezinsten Kosten übersteigen.

B

Backsourcing

Wird nach erfolgtem Outsourcing eine ausgelagerte Dienstleistung wieder "zurückgeholt", also intern erbracht, so spricht man von Backsourcing. Der Begriff betont den Wechsel von der Fremd- zurück zur Eigenerstellung. Es kann als eine Variante des Insourcings betrachtet werden und wird deshalb gelegentlich auch als Re-Insourcing bezeichnet.

Balanced Scorecard (BSC)

Die Balanced Scorecard ist ein methodischer Ansatz aus dem Performance Measurement. Die strategische Steuerung von Unternehmen wird hier nicht mehr als eindimensionale und an finanziellen Größen ausgerichtete Aufgabe verstanden, sondern durch eine mehrdimensionale Sichtweise ersetzt. Ein Unternehmen wird parallel über mehrere Perspektiven und diesen zugeordnete Kennzahlen (oft KPI oder - Key Performance Indicator) gesteuert. Die BSC unterstützt die Präzisierung, Operationalisierung und Umsetzung der strategischen Planung. Diese aus der Unternehmenssteuerung kommende Konzeption wird auch auf einzelne Unternehmensbereiche, wie beispielsweise die IT, übertragen. Typische Perspektiven in BSCs für die IT-Steuerung sind Finanz-, Kunden-, Prozess- und Mitarbeiterperspektive.

Betrachtungszeitraum

Zeitraum, über den die Kosten- und Nutzenfaktoren sowie deren Verteilung betrachtet werden. Der Betrachtungszeitraum einer Wirtschaftlichkeitsanalyse liegt i.d.R. zwischen 3-5 Jahren.

C

CMMI

Das Capability Maturity Model Integration unterstützt Unter-nehmen bei der Entwicklung bzw. Herstellung, Beschaffung und Wartung von Produkten und Dienstleistungen und soll helfen, Prozesse im Unternehmen zu verbessern. Daneben wird CMMI häufig auch als ein Referenzmodell für das Qualitätsmanagement in Produkt-Entwicklungsprozessen beschrieben.

D

Direkte/indirekte Größen

Direkte Größen bezeichnen Nutzenbereiche, die unmittelbar aus dem Vorhaben zu generieren und nachzuweisen sind. Typische Beispiele sind geringere Kosten für Hard- und Software.

Indirekte Größen sind mittelbar zu generieren und nicht direkt nachzuweisen sondern beruhen in höherem Maße auf Annahmen. Z.B. die höhere Stabilität des Gesamtsystems führt zu geringeren Ausfallzeiten bei den Anwendern. Dadurch steigt die Produktivität der Mitarbeiter. Die Unsicherheit der Realisierung des Nutzens ist höher als bei direkten Größen.

G

Gesamtnutzen/ -nutzen

Die Gesamtkosten/-nutzen bezeichnen alle innerhalb des Betrachtungszeitraumes anfallenden Kosten/Nutzen des Projektes.

I

Initialkosten/-nutzen

Die Initialkosten/-nutzen verstehen sich als Faktoren, die bei der Projektimplementierung Kosten bzw. Nutzen verursachen und notwendig sind, um den Betrieb der Ziel-Architektur aufzunehmen.

Insourcing

Insourcing bezeichnet im weitesten Sinne die Eigenerstellung von Leistungen. Im Gegensatz zum Backsourcing setzt es nicht die vorherige Fremderstellung voraus. In engeren Definitionen werden jedoch noch zusätzliche Bedingungen an das Vorliegen von Insourcing geknüpft. Hier ist zum einen die Variante anzutreffen, dass von Insourcing nur dann zu sprechen ist, wenn unter Einbezug auch externer Anbieter, die Entscheidung für interne Erbringung gefallen ist.

Internal Rate of Return (IRR) / Interner Zinsfuß

Der interne Zinsfuß gibt die Verzinsung an, die eine Investition generiert und kann bedingt mit dem Zinssatz für Anlagen am Kapitalmarkt verglichen werden. Problematik der Methode: Es wird unterstellt, dass die Rückflüsse immer zum gleichen Zinssatz wieder angelegt werden können. Der interne Zinsfuß ergibt sich bei einem Kapitalwert von Null. Um Investitionen über den IRR zu vergleichen, sollten zuerst Kosten und positive Rückflüsse in den Folgejahren anfallen. Die Initialkosten sollten ungefähr gleich sein.

Investitionsrate

Das Verhältnis von kalkulatorischem Zinssatz und Risikozinssatz (Kapitalkosten) zum ROI wird zur Bewertung des Investitionsrisikos herangezogen. Ist dieses < 2 ist das Risiko hoch; ist es > 4 ist das Risiko gering.

Investitionsvolumen

Kosten des Projektes in der Initialphase, also alle Kosten, die während der Projektimplementierung aufzuwenden sind.

ISO 20000

Die ISO/IEC 20000 ist ein international anerkannter Standard zum IT-Service-Management, in dem die Anforderungen für ein professionelles IT-Service-Management dokumentiert sind. Die erfolgreiche Umsetzung der ISO/IEC 20000 kann zertifiziert werden.

IT-Alignment

Unter IT-Alignment wird die Ausrichtung der IT an den Geschäftsaktivitäten verstanden. Der Hauptfokus liegt bei der Implementierung von IT-Lösungen, welche bestmöglich die jeweiligen Geschäftsziele und -strategien einer Unternehmung unterstützen. Daneben interessieren die unternehmensinternen Stärken und Schwächen sowie die sich ständig wandelnden Umweltbedingungen. In diesem Kontext gilt es, die IT kontinuierlich anzupassen und den Rahmenbedingungen entsprechend auszurichten.

IT-Compliance

IT-Compliance liegt vor, wenn alle für die IT des Unternehmens verbindlich vorgegebenen bzw. als verbindlich akzeptierten Regelwerke nachweislich eingehalten werden. Bei den Regelwerken kann es sich handeln um:

- allgemein geltende rechtliche Vorgaben (d.h. Rechtsnormen, Rechtsprechung und Verwaltungsvorschriften sowie hierin jeweils in Bezug genommene sonstige Regelwerke)
- Verträge (mit Kunden, Lieferanten, Dienstleistern etc.)
- sonstige unternehmensexterne Regelwerke (Normen, Standards etc.)
- unternehmensinterne Regelwerke (interne Richtlinien, Verfahrensanweisungen etc.)

Ein IT-Compliance-Management hat die Minimierung von Compliance-Risiken zum Ziel und bedarf somit der engen Kooperation mit dem IT-Risikomanagement.

IT-Governance

IT-Governance ist ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensführung und besteht aus Führung, Organisationsstrukturen und Prozessen, die sicherstellen, dass die IT die Unternehmensstrategie und -ziele unterstützt. IT-Governance zielt darauf ab, einen nachhaltigen Wertbeitrag der IT für das Unternehmen zu erreichen. Die Umsetzung wird durch leistungsfähige und international akzeptierte Verfahren (CobiT, ISO 20000, ITIL) unterstützt.

ITIL

Die IT Infrastructure Library ist eine Sammlung von Best Practices in einer Reihe von Publikationen, die eine mögliche Umsetzung eines IT-Service-Managements (ITSM) beschreiben und inzwischen international als De-facto-Standard hierfür gelten. In dem Regel- und Definitionswerk werden die für den Betrieb einer IT-Infrastruktur notwendigen Prozesse, die Aufbauorganisation und die Werkzeuge beschrieben. Die ITIL orientiert sich an dem durch den IT-Betrieb zu erbringenden wirtschaftlichen Mehrwert für den Kunden.

J

Jährlicher (durchschnittlicher) Return on Investment

Verhältnis der Rückflüsse (Netto Cash Flow) einer Investition zur Investitionssumme. Bei mehrjähriger Betrachtung wird jeweils der Mittelwert über den entsprechenden Zeitraum gebildet.

K

Kapitalwertmethode

Die Kapitalwertmethode ist ein finanzmathematisches Verfahren, um die Investitionen eines Projektes mit einer alternativen Anlage zu einem so genannten „kalkulatorischen Zinssatz“ bei gleicher (Investitions)summe auf dem Kapitalmarkt zu vergleichen. Ist das Ergebnis der Kapitalwertmethode (Nettobarwert) am Ende des betrachteten Zeitraumes größer Null, dann ist die Investition in das Projekt gegenüber der Anlage auf dem Kapitalmarkt vorteilhafter.

Kumulativer ROI

ROI über die gesamte Projektlaufzeit. Ergibt sich durch die Addition der Nettobarwerte geteilt durch die Investitionssumme (ist nicht die Summe der jährlichen ROI). Damit sich die Investition mindestens wieder amortisiert, im Vergleich zu einer Anlage auf dem Kapitalmarkt, muss der ROI über den betrachteten Zeitraum mindestens 100% betragen. Ohne weitere Informationen ist der cROI nicht aussagekräftig, da zumindest der Anlagezeitraum bekannt sein muss. Hinweis: Ein cROI von 250 % kann schlechter sein als ein jährlicher ROI von 15%.

L

Laufende Kosten/Nutzen

Laufende Kosten/Nutzen verstehen sich als Faktoren, die im laufenden Betrieb über den Betrachtungszeitraum Kosten und Nutzen verursachen.

Life Cycle Costs (LCC)

Die Life-Cycle-Costs zeigen die über den Betrachtungszeitraum anfallenden Kosten aufsummiert in den einzelnen Jahren an und bieten somit eine Verteilungsstruktur, die z.B. für eine Grobplanung der Budgetierung herangezogen werden kann.

N

Netto Cash Flow/Rückfluss

Der Netto Cash Flow ist in dem Fall der Kapitalwertmethode der Saldo von Kosten und Nutzen innerhalb einer betrachteten Periode.

Nettobarwert (NBW)

Bezeichnet den abgezinsten Wert einer Zahlungsreihe in der Zukunft zum Betrachtungszeitpunkt. Grundlage bildet die Annahme, den Investitionsbetrag alternativ zu einem vorgegebenen Zinssatz anlegen zu können.

O

Outsourcing

Unter Outsourcing versteht man die Übertragung von Aufgaben, Ressourcen und Verantwortung an einen oder mehrere rechtlich unabhängige Dienstleister. Es findet somit ein Übergang von Eigenerstellung (Make) zu Fremdbezug (Buy) statt, der durch Reduktion der Wertschöpfungstiefe zu einer Veränderung in der zwischenbetrieblichen Arbeitsteilung führt.

P

Payback Period (PP)

Die Payback Period oder Amortisationszeit einer Investition ist der Zeitraum der notwendig ist, um durch positive Rückflüsse die Anfangsinvestition auszugleichen. Diese Zeit wird in Monaten oder Jahren angegeben. Diese Betrachtung bietet sich an, wenn Cashflow und schnelle Amortisation für ein Unternehmen besonders wichtig sind.

PMBOK

PMBOK ist eine umfangreiche Sammlung von Projektmanagementmethoden, die vom US-amerikanischen Project Management Institute (PMI) herausgegeben und gepflegt wird. PMBOK beschreibt 42 Einzelprozesse mit Inputs, Outputs und Werkzeugen/Techniken sowie Wissensgebieten des Projektmanagements (z.B. Project Time Management), ist Grundlage für mehrere Personenzertifizierungsverfahren und liegt in vielen Sprachen vor. PMBOK ist von der ANSI und IEEE als Standard anerkannt, international weit verbreitet und gilt als erste Wahl bei internationalen Großprojekten insbesondere bei US-amerikanischer Beteiligung.

PRINCE2

PRINCE2 wurde wie ITIL von der britischen regierungsnahen Behörde OCG als Best Practice Verfahren entwickelt und abgestimmt. PRINCE2 ist der Standard für Projekte der britischen Regierung, hat sich dort und in den mit Großbritannien besonders verbundenen Ländern durchgesetzt. Auch in Deutschland wird PRINCE2 zunehmend eingesetzt, erlangte bisher jedoch nicht die Verbreitung wie ITIL als de-facto-Standard für das IT-Service-Management. PRINCE2 ist nicht so umfangreich wie PMBOK, unterstützt dafür aber auch das projektübergreifende Programm-Management. Analog zu ITIL wird eine Personenzertifizierung durch akkreditierte Organisationen angeboten.

R

Risk Management/Risikomanagement

Risikomanagement (RM) richtet sich als Teilbereich der Managementverantwortung auf die mit vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Aktivitäten des Unternehmens verbundenen Risiken, die es zu vermeiden oder zu minimieren gilt. Die Wahrnehmung von RM prägt sich in der Einrichtung eines Risikomanagementsystems aus, dessen Kern gewöhnlich der RM-Prozess bildet. Dieser wird in einzelne funktionale Phasen gegliedert, wie Risikoidentifikation, -bewertung, -behandlung, -überwachung und Risikoreporting. Für ein vollständiges Risikomanagementsystem müssen weitere Elemente berücksichtigt werden, vor allem risikoorientierte Managementprinzipien (Risikostrategie bzw. -politik, Richtlinien etc.), eine Risikomanagementorganisation, definierte Verfahren und Instrumente des Risikomanagements sowie die Risikokultur des Unternehmens.

ROI (Return on Investment)

Die Kennzahl Return on Investment bezeichnet den Ertrag des eingesetzten Kapitals. Der ROI steht für den Gewinn im Verhältnis zu investiertem Kapital. Die Kennzahl kann sowohl auf Unternehmensebene (Rentabilität des Gesamtunternehmens) als auch auf Projektebene (Rentabilität des Projektes) eingesetzt werden.

S

Six Sigma

Six Sigma (6σ) ist ein Referenzmodell für Qualitäts- und Performance-Management und wurde von General Electrics und Motorola entwickelt. Es versteht sich als umfassendes und flexibles System zum Erreichen, Erhalten und Maximieren von Geschäftserfolg.

T

TCO (Total Cost of Ownership)

Summe aller finanziell relevanter Kosten, die für die Auswahl, Anschaffung, Anpassung, Installation, Schulung, Wartung und den laufenden Betrieb eines IT- Systems anfallen.

U

Unified Communications

Unified Communications steht für integrierte, vereinheitlichte Kommunikation. UC-Systeme stellen komplexe Infrastrukturen dar, die aus der Konvergenz von Telekommunikations- und Informationstechnologie entstanden sind; sie integrieren Kommunikationsmedien (Telefon, Instant Messaging, VoIP, Video) und (mobile) Endgeräte mit Signalisierung und weiteren Kollaborationsfunktionen. Die Integration der Kommunikationsmedien wird durch eine IP-basierte Steuerungsschicht erreicht.

W

Wertbeitrag der IT

Abgeleitet aus der angloamerikanischen Forschungstradition zum "Business Value of IT" wird in der deutschsprachigen Literatur heute auch vom Wertbeitrag der IT gesprochen (früher eher Nutzen der IT). Darunter ist der Beitrag von IT auf die Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu verstehen. In der Literatur finden sich verschiedene Ansätze zur Klassifizierung des Wertbeitrags. So unterteilen beispielsweise Mirani & Lederer den Wertbeitrag in folgende Kategorien:

- Strategische Vorteile (Wettbewerbsvorteil, strategische Übereinstimmung, Kundenbindung)
- Informationsorientierter Nutzen (Zugang zu Information, Qualität der Information, Flexibilität der Information)
- Transaktionsorientierter Nutzen (Effizienz der Kommunikation, Effizienz der Systementwicklung, Effizienz von Geschäftsabläufen)

Wissensmanagement

Systematisches Vorgehen zur Erreichung organisationaler Ziele (wie beispielsweise Beitrag zum Gemeinwohl, Gewinnmaximierung, Kostensenkung oder Befriedigung von Kundenbedürfnissen) durch die Optimierung der Nutzung von Wissen. Zu diesem Zweck lokalisieren und erfassen Individuen in Organisationen bestehendes Wissen, fördern seinen Austausch sowie seine Verteilung und entwickeln aktuell oder künftig benötigtes Wissen.

Z

Zertifizierung

Ausgabe eines Zertifikats, um die Konformität mit einem Standard zu bestätigen. Die Zertifizierung umfasst einen formalen Audit durch eine unabhängige akkreditierte Organisation. Der Begriff "Zertifizierung" bezeichnet darüber hinaus die Erlangung eines Zertifikats als Beleg dafür, dass eine Person eine bestimmte Qualifikation erreicht hat.